Überlebensmodus

Im Überlebensmodus können wir drei Grundmuster unterscheiden:

Kampf, Flucht oder Totstellen.

Die aktiven Reaktionen "Kampf" oder "Flucht" mobilisieren alle Energiereserven.

Der Totstellreflex hat eine unmittelbare Starre und Bewegungslosigkeit des Körpers zur Folge.

 

Welches Grundmuster aktiviert wird, hängt unter anderem von der Art der bedrohlichen Situation und den eigenen körperlichen und psychischen Ressourcen ab.

Können wir die Situation aktiv beenden, greift unser Organismus auf den Kampf-Flucht-Reflex zurück. Erleben wir die Situation als übermächtig und ausweglos, fällt unser Körper in die Bewegungslosigkeit des Totstellreflexes.

 

Es gibt die Auffassung, dass geschlechtsspezifische Unterschiede auf Bedrohungen existieren. Männer reagieren demnach häufiger mit Kampf oder Flucht. Frauen und Kinder erstarren häufiger bei Bedrohung.

Die unterschiedlichen Reaktionsmuster hängen wohl zum einen damit zusammen, dass Männer in der Regel über mehr körperliche Ressourcen verfügen und durch ihre Konstitution meist stärker, schneller und agiler sind als Frauen oder Kinder, und zum anderen das unsere Erziehung und damit Konditionierung auf Bedrohung geschlechtsspezifisch abläuft.


 

"Fight-or-flight" - Kampf oder Flucht

 

Der Begriff "Fight-or-flight" ist von dem amerikanischen Physiologen Walter Cannon (1915) geprägt worden (englisch; fight or flight = Kampf oder Flucht).

Stehen wir einer Gefahr gegenüber, reagieren wir instinktiv aus den ältesten und tiefsten Strukturen unseres Gehirns, dem sogenannten Reptiliengehirn oder Hirnstamm.

In diesem teil des gehirns sind grundlegende, primitive Überlebensmechanismen und Erinnerungen beheimatet. Wird eine Situation als bedrohlich erlebt, aktiviert dieser Teil unseres Gehirns den Überlebensreflex.

Kämpfe gibt es seitdem es Lebewesen gibt, die weit genug entwickelt sind, anderen vorsätzlich zu schaden.

Ursprünglich dienten diese Kämpfe, um Ressourcen, Vermehrungspartner, Territorien, usw. zu sicherm, in erster Linie der Arterhaltung.

Als Fluchtverhalten bezeichnet die Verhaltensforschung alle Bewegungsabläufe, die dazu dienen, sich vor einem tatsächlichen oder potenziellen Angreifer in Sicherheit zu bringen, wenn dieser die Fluchtdistanz nicht einhält. Auch alle wesentliche Elemente des Fluchtverhaltens sind in der Regel angeboren und können im Laufe des Lebens durch Erfahrung angepasst werden. Der ursprüngliche Selektionsdruck ist bei beiden Verhaltensweisen hoch, da bereits ein einziges "Versagen" zum Tod führen kann. In der Aktivierung des ganzen Körpersystems finden, bei beiden Reaktionstypen identische Abläufe statt.


Was geschieht bei der Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems?

Die Aktivierung des Kampf-Flucht-Systems hat eine schlagartige Veränderung von Körperaktivitäten zur Folge, um Kämpfen oder Fliehen optimal vorzubereiten.

Die Mobilisation von Körperkräfte erfolgt dort, wo sie nun gebraucht werden.

Die Blutversorgung konzentriert sich auf die Körperregionen, die zum Kämpfen oder Fliehen benötigt werden, also Arme, Beine, Herz und Lunge.

Der Peripherie des Schädels wird Blut entzogen und zu den großen Muskeln des Körpers geleitet.

Es kommt auch zu einer Umverteilung der Denkprozesse im Gehirn. Das Vorderhirn, dass für analytisches Denken verantwortlich ist, wird weniger aktiviert. Der instinktive hintere Teil des Gehirns reagiert sofort auf den Stress und beginnt eine Kette von chemischen Botschaften durch den Körper zu schicken. So ist der Körper optimal vorbereitet.

In unserer heutigen Zeit ist ein Ereignis manchmal so überwältigend, dass wir nicht kämpfen oder fliehen können, oder der bekannte Dauerstress macht uns zu schaffen. So können wir z.B. nicht wirklich im Stau des Straßenverkehrs kämpfen oder fliehen, egal wie hoch unser gefühlter Stress auch sein mag. Die körperlichen Reaktionen laufen aber dennoch ab, d.h. unsere Reflexe sind aktiviert und kommen nicht zur Ausführung. Alle Kraft- und Energiereserven, die für unser Überleben aktiviert worden sind, bleiben im Körper stecken.

Insgesamt können wir die Begriffe Kampf und Flucht aber auch auf alltägliche Situationen übertragen. So kann mit "Kampf" auch die Strategie bzw. Herangehensweise an angst- oder stressauslösende Situation gemeint sein. Also der Versuch ein Problem aktiv zu lösen. "Flucht" oder Fluchtimpulse finden wir in verschiedenen Arten von Rückzug aus belastenden Situationen, wie z.B. bei Ängsten und Panikattacken.


Totstellreflex

Peter Levine (1999) beschreibt dies als Aktivierung des dritten instinktiven Überlebensreflexes - der Totstellreflex. Wir erstarren auf die gleiche Weise wie Tiere es tun, wenn es kein Entkommen mehr gibt. Nach außen wirkt der Körper jetzt inaktiv, innen jedoch ist er voll aufgeladen.

Für Peter Levine (1998) stellte sich in diesem Zusammenhang die Frage: Warum bei Tieren in freier Wildbahn, die täglich bedrohlichen Angriffen ausgesetzt sind, keine Trauma-symptome aufzufinden sind? Die Antwort fand er in den Verhaltensweisen der Tiere, die sich nach überlebten Aktionen in einer Entladung der aktivierte Restenergie durch Zucken, Beben oder Zittern beobachten lässt.

Auch unser menschliches Gehirn kennt diesen Mechanismus. Die Entladung wird von denselben Hirnregionen gesteuert, die auch für die Aktivierung zuständig sind. Leider verfügen wir auch über wesentlich höher entwickelte Gehirnanteile; „eine solche Menge an autonomer, unkontrollierter Energie macht uns in der Regel Angst“ (Levine, 1999). Unser rationales menschliches Denken unterbindet meist die Abwehrreaktion auf Gefahr und die damit verbundene notwendige und unwillkürliche Entladung der Restenergie, die auf der subtileren und instinktiven Ebene stattfindet. Die mobilisierten Kräfte und das hohe Energieniveau verbleiben im Körper und werden von den “primitiven“ Gehirnanteilen als eine Fortbestehen der Gefahr interpretiert. So stört das hohe Energieniveau die Selbstregulation des Körpers und die Zyklen von Aktivität und Ruhe, von Anspannung und Entspannung.